Ein Versuch von Normalität

Seit fast fünfzehn Jahren bieten wir für Senioren unsere beliebten Fahrten unter dem Motto „Urlaub für einen Tag“ an. Viele Reiselustige von 60 plus bis neunundneunzig waren mit den, vom  VOLKSSOLIDARITÄT Kreisverband Borna e.V. angebotenen, Offerten in den schönsten Ecken von Sachsen, Thüringen, Hessen, Niedersachsen und Bayern unterwegs. Unser Reiseleiter hört immer wieder den Satz: „Ach, Mario, da hast du uns ja wieder eine schöne Ecke Deutschlands gezeigt“ oder: „So ein Mist, es gibt gar nichts zu  meckern…“, ein schöneres Lob kann es gar nicht geben. Im Januar gab es eine tolle Fahrt nach Winkel in den Landgasthof „Drei Rosen“ zu einem zünftigen Schlachtefest mit Böhmischer Blasmusik sowie im Faschingsmonat Februar einen Abstecher in die Parkgaststätte Falkenhain zu einem heiteren Programm mit Gitte & Klaus, den zwei Stimmungskanonen bekannt aus dem einst beliebten „Oberhofer Bauernmarkt“. So oder ähnlich sollte das Reisejahr 2020 heiter weitergehen. Keiner hätte sich vorstellen können, dass es jemals ganz anders sein könnte und dann kam der sprichwörtliche Knall, von heute auf morgen war die Welt nicht mehr so, wie man sie kannte. Der fiese Virus namens CORONA hält die gesamte Menschheit in seinem Würgegriff, selbst in der tiefsten Provinz hieß es: Abstand halten, Bleiben Sie Zuhause! Maskenpflicht! Mit anderen Worten: ab sofort „bleiben mir dorheeme“ – rums – das war´s… Jetzt ein paar Monate später, man hatte das Gefühl in einem Tunnel festzustecken, kein Licht am anderen Ende zu sehen, gab es doch eine Möglichkeit, einen zaghaften Neustart in etwas Normalität zu wagen. Wir bieten unseren Senioren unter Einhaltung momentan der auferlegten Hygiene- und Schutzbestimmungen eine  erste Tagesfahrt an, aus besagten Gründen „dreib´n mir uns ähmde nur in Saggsn rum…“.   Die frohe Kunde verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den Reisefreunden der Volkssolidarität, seit Wochen hatten wir im Servicebüro die Senioren telefonisch auf dem Laufenden gehalten, Termine verschoben, mit Partnern gesprochen und fast schon mantrahaft immer wieder erklärt: „Sobald es möglich ist, geht es wieder los.“. Nun war es soweit, innerhalb eines Tages war die heißbegehrte Fahrt ins Erzgebirge ausgebucht. Die erste Dame welche die Reise buchte sagte, im breitesten sächsisch, „Mario, scheen dasde widder eene Fohrd anbieden dust, mir setzen brav de Maske off un mach´n alles was du sachst…“ Das war dann schon wieder irgendwie niedlich.

Auch unsere beliebten Veranstaltungen für unsere Bewohner in den Häusern des Betreuten Wohnens werden langsam wieder gestartet – alles unter Corona-Auflagen – natürlich. Das heißt die berühmte „Schwimmnudellänge“ – sprich 1,50 m Abstand zum Nebenmann/frau – ist einzuhalten, Hygienehinweise sind zu beachten, kurzum den Auflagen der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung ist Rechnung zu tragen. Die, für Anfang Juni geplante, Veranstaltung mit der Schauspiellegende Herbert Köfer, die dem Coronavirus zum Opfer gefallen war, soll unter den neuen Bedingungen am 03.08.2020 über die sprichwörtliche Bühne gehen. Die Hoffnung stirbt zuletzt! Unsere Mitarbeiter/innen geben jeden Tag alles, um unseren Senioren, die noch zuhause wohnen, und den Bewohnern in unseren Einrichtungen, ein Stück Normalität in Zeiten von Corona zu ermöglichen.

Bleiben Sie Gesund!

Mario König

Ansprechpartner Servicebüro
VOLKSSOLIDARITÄT Kreisverband Borna e.V.

Schulbegleitung bei der VOLKSSOLIDARITÄT Kreisverband Borna e.V.

Heute Morgen hat es Paul geschafft einen Mathetest komplett mitzuschreiben. Eine starke Leistung, schließlich fällt es ihm schwer sich zu konzentrieren. Nach dieser großen Anstrengung wird er sehr unruhig, kippelt mit seinem Stuhl und fängt an sich anzumalen. Zeit für eine Pause. Die Schulbegleiterin verlässt mit Paul das Klassenzimmer, um mit ihm auf dem Hof eine Runde zu rennen.

In der nächsten Stunde steht Deutsch auf dem Programm. Paul hat keine Lust mitzumachen und versinkt gedanklich in „seine Welt“. Die Schulbegleiterin spricht ihn an und motiviert ihn mitzuarbeiten. Sie achtet darauf, dass er die richtige Seite im Buch aufschlägt, zeigt ihm, an welcher Stelle gerade gelesen wird und wiederholt die Aufgabenstellung des Lehrers.

Endlich Hofpause. Zeit zum Spielen und Durchatmen. Doch Paul gerät in einen handfesten Streit mit seinem Mitschüler, weil dieser sich an der Schaukel vorgedrängelt hätte. Die Schulbegleiterin greift ein und hilft den Jungen den Konflikt zu lösen. Danach überlegt sie mit Paul, was er beim nächsten Mal anders machen könnte.

Dies sind einige Ausschnitte aus dem Alltag einer Schulbegleiterin oder eines Schulbegleiters.

Die Schulbegleitung hat sich in den letzten Jahren bundesweit als wichtige Maßnahme zur Umsetzung eines inklusiven Bildungssystems etabliert. So ermöglicht Schulbegleitung, dass Kinder und Jugendliche mit (drohenden) Behinderungen die Schule besuchen können und somit einen Zugang zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe bekommen. Die Gesamtverantwortung für die Bildung und Erziehung der Schüler trägt jedoch die Schule.

Der konkrete Auftrag der Schulbegleitung orientiert sich am individuellen behinderungsbedingten Mehrbedarf des Kindes oder Jugendlichen. Daraus ergibt sich ein großes Aufgabenspektrum von Schulbegleitung. Sie unterstützt

  • B. Kinder mit körperlichen Behinderungen bei der Körperpflege, der Mobilität, bei der Überwindung von Barrieren und allen gewöhnlichen Verrichtungen des Alltags (Toilettengang, essen, usw.),
  • aber z.B. auch Kinder mit Autismus oder ADHS im Unterricht, indem sie Strukturierungshilfen gibt, Konzentrationsfähigkeit fördert, Impulse gibt, Aufmerksamkeit lenkt und bei individuellen Aufgaben unterstützt,
  • im psychosozialen Bereich, indem sie z.B. in Krisensituationen hilft und den sozialen Umgang mit Mitschülern und Lehrern begleitet und bei herausfordernden Verhaltensweisen lenkend eingreift.

Diese vielfältigen Aufgaben und Bedarfe erfordern verschiedene Qualifikationen der Schulbegleiter. Dabei wird zwischen Fach- und Assistenzkräften unterschieden. Zu den Fachkräften gehören in der Regel Sozialpädagogen, Erzieher sowie Physio- und Ergotherapeuten. Zu den Assistenzkräften zählen u.a. Sozialassistenten und Kinderpfleger, aber auch Personen, die sich aufgrund ihrer pädagogischen und sozialen Erfahrungen dazu eignen.

In unserem Kreisverband gibt es das Angebot der Schulbegleitung seit 2016. Am steigenden Bedarf orientiert, haben sich die Verantwortlichen in unserem Verein am Anfang dieses Jahres dazu entschlossen, die Schulbegleitung als eigenständigen Bereich unter dem Dach der „Hilfen zur Erziehung“ anzusiedeln und auszubauen. Wir freuen uns, dass dieser Bereich wächst und sind weiterhin auf der Suche nach neuen Kolleginnen und Kollegen.

VOLKSSOLIDARITÄT

Kreisverband Borna e.V.

Sarah Tilschner

Pädagogische Leiterin des Bereiches Schulbegleitung